Statt der Flugticketabgabe - individuelle Budgets

Drei Viertel der FDP-Mitglieder, die an der Umfrage zur Klimapolitik der Partei teilgenommen haben, sagten zu aller Überraschung, dass sie eine Flugticketabgabe befürworten. Dies trotz der Vorbehalte ihrer Vertreter im Nationalrat gegen ein solches Instrument. Tatsächlich muss etwas getan werden. Der Anteil der CO2-Emissionen des Luftverkehrs im In- und vor allem im Ausland an den Gesamtemissionen der Schweiz hat sich von 7% im Jahr 1990 auf 12,4% im Jahr 2017 fast verdoppelt. Diese Emissionen betragen im Durchschnitt 640 kg pro Kopf und sind damit deutlich höher als beispielsweise die Industrieemissionen (580 kg).

Tatsächlich basiert diese Statistik auf dem Kerosinverkauf an den Schweizer Flughäfen. Sie hat daher wenig mit den Emissionen des Flugverkehrs rund um die Welt der Schweizer Bevölkerung zu tun. Der Mikrozensus für Mobilität und Verkehr schätzt diese Flüge auf 9'000 km pro Person im Jahr 2015. Bei einem Durchschnittswert von 150 gCO2/km entspricht dies 1,35 Tonnen CO2 pro Person.

Die Flugticketabgabe ist nicht die einzige oder vielleicht auch nicht die beste Lösung, um Reisende von frivolen Ausflügen abzuhalten und um die Wahl des Zuges für Reisen innerhalb Europas zu fördern. Ich möchte einen weiteren Vorschlag machen: ein individuelles Budget für den Flugverkehr. So würde das Parlament beispielsweise ein um 10% reduziertes Gesamtbudget für 2021 festlegen, d.h. 8'100 km oder 1,21 Tonnen CO2 pro Einwohner. Dies entspricht einem Rückflug Zürich-Oslo plus einem Rückflug Zürich-Kairo in der Economy Class. Jeder Bürger erhält ein entsprechendes Kontingent gutgeschrieben. Diejenigen, die häufiger oder weiter oder in der Business Class reisen und damit ihr Kontingent überschreiten, müssen ein Zusatzkontingent von anderen Personen kaufen, die weniger oder gar nicht mit dem Flugzeug reisen. Wer 2021 auf das Fliegen verzichtet, könnte 2022 doppelt so oft oder so weit fliegen, vorausgesetzt, er hat sein Kontingent für 2021 nicht verkauft. Das System ist finanziell neutral. Im Gegenteil der frequent flyer Belohnungssysteme, belohnt es diejenigen, die wenig oder gar nicht fliegen.

Letztere können eine zusätzliche Geste für das Klima machen, indem sie ihre ungenutzten Kontingente zerstören, anstatt sie zu verkaufen. Man kann noch mehr für das Klima tun, indem man Kontingente kauft, um sie vom Markt zu nehmen. Ähnlich den Philanthropen, die den Sierra Club gründeten, die große nordamerikanische Umweltorganisation. Sie hatten im 19. Jahrhundert in Kalifornien riesige Mammutbaumwälder gekauft, um zu verhindern, dass diese Bäume zu Zündhölzern verarbeitet wurden.

In der Praxis ist der Vorschlag machbar, da die Mobilfunkbetreiber unsere Flugreisen bereits jetzt auch im Ausland erfassen. Niemand könnte sein Budget überziehen, indem er von einem Flughafen auf der anderen Seite der Grenze abfliegt. In begründeten Fällen könnten die einzelnen Budgets angepasst werden. Natürlich gibt es noch offene Fragen, z.B. wie Geschäftsreisen zu berücksichtigen sind und wie die Spekulation mit Kontingenten verhindert werden kann. Auch eine Plattform für den einfachen Austausch dieser Kontingente muss geschaffen werden.

Vielleicht könnte die FDP, die diese Art von Marktlösung im Allgemeinen vorzieht, diesen Vorschlag voranbringen...

Posted by Philippe Thalmann on Tuesday 7 May 2019 at 9:32
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