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Das nukleare Zeitalter

Die Welt ist mit der Entwicklung der Atombombe in den 1940er Jahren in das nukleare Zeitalter eingetreten. Diese Technologie hat unsere weitere wirtschaftliche und politische Entwicklung fundamental verändert und prägt die Geopolitik bis heute. Massenvernichtungswaffen unvorstellbarer Zerstörungskraft ebenso wie Kernkraftwerke und all ihre schmutzigen Hinterlassenschaften aus der Herstellung von Bomben- und Kernbrennstoff bedrohen ernsthaft alles Leben auf unserer Erde.

Unsere nuklearen Aktivitäten setzen fortlaufend Radioaktivität frei. Havarien hinterliessen dutzendfach grossflächige Verseuchungen, welche nicht aufgeräumt werden können. Was einmal freigesetzt wurde, bleibt in der Regel in der Umwelt. Bei dem ganzen Macht- und Machbarkeitswahn wurde möglichst vermieden, die Mutter aller Fragen zu stellen:

Was geschieht mit dem radioaktiven Abfall?

Lange Zeit wurde radioaktiver Abfall einfach in unseren Ozeanen versenkt. "Verdünnung ist die Lösung der Verschmutzung" (dilution is the solution to pollution) war das Motto der Wahl und ist es in Wiederaufarbeitungsanlagen bis heute geblieben. Heute werden zwar keine Fässer mehr von Frachtern gekippt. Dafür wird die radioaktive Fracht per Unterwasserleitung direkt ins Meer gepumpt. "Aus den Augen, aus dem Sinn" fällt mir hierzu ein.

Durch nukleare Havarien, Unfälle und tägliche Schlamperei fanden und finden radioaktive Stoffe viel zu oft den Weg in die Umwelt. Im Resultat besteht die Welt heute aus einem Flickenteppich von mehr oder weniger radioaktiv verseuchten Gebieten. Es gibt heute weltweit keine unbelasteten Gebiete mehr, da Atombombentests, Reaktorhavarien, kriminelle Entsorgung und ungezählte Unfälle den Globus vom Nord- zum Südpol mit radioaktivem Müll eindeckten. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht absehbar.

Dieser Artikel ist ein Rückblick auf die letzten 75 Jahre, weil das nukleare Zeitalter sehr bald enden muss, soll die Biosphäre unserer Erde eine Zukunft haben. Wir können uns weltweit vielleicht noch zwei Havarien der Fukushima-Kategorie erlauben, bevor komplexe weit entwickelte Lebewesen und wir selbst wegen zu hoher Radioaktivität aussterben werden. Falls wir das nukleare Zeitalter rechtzeitig beenden wollen, werden wir zügig handeln müssen. Die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Havarie liegt bei etwa 70% pro Jahrzehnt.

Empfehlenswerte Filme

Diese animierte Karte von Isao Hashimoto zeigt im Zeitraffer alle Atombombentests zwischen 1945 und 1998. Denken Sie sich die jüngsten Tests neuer Atomwaffenstaaten hinzu und addieren Sie die zivilen Havarien und militärischen Sauereien. Dann können Sie wage erahnen, wieviel radioaktives Material weltweit verstreut liegt.

Die Arte-Dokumentarfilme Albtraum Atommüll und Strahlendes Vermächtnis - 100'000 Jahre Endlagerung gehen der Frage nach, was mit industriellem und militärischem Atommüll gemacht wird.

Nach dem zweifachen Desaster in den Salzstöcken in Morsleben und Asse soll nun auf Biegen und Brechen im Salzstock Gorleben der deutsche Atommüll abgekippt werden. In Atomklo Norddeutschland - Warum der Süden verschont bleibt zeigt NDR eindrücklich, wie wenig deutschen Politikern die sichere Lagerung des Atommülls wert ist. Alle Atommüll-Einlagerungen in Salzstöcken führten ins Desaster. Wissenschaftler sprechen auch Gorleben seit Jahrzehnten die Eignung als Atommüllager ab. Wer in Gorleben einlagert, handelt deshalb vorsätzlich hoch kriminell. Leider wäre es in Deutschland nicht das erste Mal, wie der Asse-Skandal zeigt.

Aufgrund der lang anhaltenden Wirkung von radioaktiver Verseuchung werden die Lasten über die Jahre gerecht verteilt. Wird ein Endlager undicht, egal wo es steht und wer es betreibt, wandern radioaktive Abfälle Richtung Meer und landen in Meeresfrüchten auf unseren Tellern und mit dem Regen in unseren Gärten. Das ist längst der Fall.

Guten Appetit.

Posted by Marcel Leutenegger on Sunday 7 December 2014 at 20:46