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Nachhaltige Gesellschaft

Luftangriff auf Munitionslager in Sana'a, Jemen

Saudiarabien bombardierte am Stadtrand von Jemen's Hauptstadt Sana'a mehrfach militärische Anlagen. Am 11. Mai 2015 wurden über Sana'a erneut Luftangriffe auf Ziele am Stadtrand geflogen. Ein Munitionslager wurde getroffen und brannte aus. Ein weiterer Angriff galt einem Bunker, welcher laut Medienberichten eine Scud-Raketenfabrik und/oder ein Munitionslager beherbergte.

Aufgrund der ausserordentlich heftigen Detonation sowie des ungewöhnlichen Feuerballs wurde spekuliert, ob eine taktische Atombombe zum Einsatz kam. Taktische Atombomben sind für den Einsatz im Gefecht gebaut und entwickeln eine Sprengkraft von etwa 0.3kt bis etwa 100kt TNT. Eine 0.3kt Detonation könnte man einerseits durch gleichzeitge Zündung von 300t TNT simulieren. Andererseits entspricht 100kt Sprengkraft schon sieben Hiroshima-Bomben - mehr als genug um eine Millionenstadt wie London einzuäschern.

Youtube fördert etliche Augenzeugenvideos zu Tage, von denen ich die folgenden Zwei auswerte:

  1. Israeli / Saudi Arabia Tactical Nuclear Strike on Yemen
  2. Confirmed - Israeli - Saudi Arabia Tactical Nuclear Strike on Yemen

Aus diesen Videos habe ich mir eine Reihe von Einzelbildern bereitgelegt. Da das Blog keine Skripte zulässt, sind die Einzelbilder besser auf einer eigenen Seite durchzusehen.

Stimmen die Spekulationen bezüglich eines Atombombeneinsatzes?

Um diese Frage zu beantworten, untersuche ich nachfolgend den räumlichen und zeitlichen Verlauf der Detonation, denn die Ausdehnung des Feuerballs zeigt ungefähr an, wieviel Energie freigesetzt wurde, und die Heftigkeit der Schockwelle (Schalldruck + Wind) geben Hinweise auf den zeitlichen Verlauf der Hauptdetonation. Je schneller diese abläuft, desto heftiger fällt bei gleicher Energie die Schockwelle aus.

Voll entwickelter Rauchpilz mit stark nachleuchtendem Stamm.

Das erste Video bietet sich zum Einstieg an, da es über den ganzen Zeitraum des Angriffs eine gute Dokumentation des Ablaufs der Ereignisse liefert. Basierend auf diesem Video machte ich mir zu den wichtigsten Ereignissen Notizen:

Zeit   Beobachtung Anmerkungen
0:10 Roter Lichtschein Einschlag einer Luft-zu-Boden-Rakete?
0:11 Gelber Feuerball  
0:13 Feuerball erlischt  
0:16 Weisser Feuerball Detonation der Fabrik / Munition?
0:17 3-4x breiter; 5-7x höher  
0:23 Maximale Helligkeit erreicht  
0:24 Maximale Ausdehnung
Erste Sekundärdetonationen
 
0:25 Hunderte Sekundärdetonationen in Randzone    
0:26 Eintreffen Schall Detonation Einschlag der Rakete?
0:28 Letzte Sekundärdetonationen
Eintreffen Schall Detonation
Detonation der Rakete?
0:29 Eintreffen der Hauptschallwelle Etwa 13s seit Hauptdetonation: 4.3km Distanz
0:30 Entstehung dunkler Rauchpilz Während 14s kaum dunkle Rauchentwicklung!
0:33 Festkörper erreichen maximale Flughöhe  
0:34 Geschlossener Rauchpilz  
0:35 Nachleuchtender Stamm  
0:38 Eintreffen der Hauptdruckwelle Etwa 22s seit Hauptdetonation: 700km/h
0:51 Ende des Nachleuchtens  
0:59 Voll entwickelter Rauchpilz  
  • Lange anhaltender rötlicher Lichtschein um die Detonationsfeuerbälle; jedoch gelb-oranger Saum um das durchgehend weiss brennende Objekt.
  • Der Stamm ist gebogen mit Ausnahme einer rosa "Lanze", welche aus dem Rauchpilz zu regnen/rieseln scheint.
  • Die hochgeschleuderte Munition(?) zündet erst 9-12s nach der Hauptdetonation.
    • Munition aus dem Depot muss auf mindestens 200m Höhe geschleudert werden, um nach 12s knapp über dem Boden zu detonieren.
    • Um nach 12s in relativer Ruhe zu detonieren, muss die Höhe mindestens 700m betragen.
    • Um nach 12s in steigender Bahn zu detonieren, muss die Flughöhe über 750m betragen.
  • Der weisse Kern des Feuerballs hat folglich einen Durchmesser von etwa 300m.
  • Die gelbe Randzone des Feuerballs hat einen Durchmesser von etwa 500m.

Aufgrund der zeitlichen Entwicklung schliesse ich eine konventionelle Atombombe aus, da diese ihre Energie viel schneller freisetzen würde. Allerdings ist der Ablauf für eine Munitionsdetonation auch sehr ungewöhnlich. Die lange Dauer des Feuerballs ist ein Indiz für hochenergetische Prozesse, welche während mehr als 15s Unmengen an Energie freisetzten.

Sehen wir hier den Einsatz eines neuartigen thermitischen Bunkerbrechers?
Oder stammt der ausdauernde Feuerball von brennendem Raketentreibstoff?

Zum Vergleich schaute ich mir ein paar Detonationen und Explosionen an:

  1. 50t TNT Wirkungstest: Rauch entwickelt sich binnen weniger Sekunden nach der Detonation (das Video scheint mir verlangsamt zu sein).
  2. 100t TNT Testsprengung: Rauch entwickelt sich schon eine Sekunde nach der Detonation und ist nach 5-6s voll ausgeprägt.
  3. 500t TNT Wirkungstest: Die Detonation reisst eine grosse Menge Erdreich mit sich, so dass der Feuerball horizontal nur kurz zu sehen ist. Von oben betrachtet vergehen etwa 5s, bis der Feuerball sich in Rauch hüllt.
  4. Explosion einer Gastankstelle (17:18): Der Feuerball sieht ziemlich ähnlich aus. Erdgas hinterlässt aber wesentlich weniger Russ. Der Rauchpilz ist ausgesprochen kurzlebig.
  5. Explosionen bei Raketenunfällen: Raketen zerplatzen vergleichsweise langsam, da ihr Treibstoff erst mit dem Oxidator gemischt werden muss, um zu verbrennen.

Anhand der Vergleichsvideos schätze ich die in Sana'a freigesetzte Energiemenge auf 200-300t TNT. Das wäre also am untersten Ende einer taktischen Atombombe anzusiedeln. Im Gegensatz zu einer konventionellen Bombe wird diese Energie langsamer freigesetzt. Bei den drei TNT-Detonationen ist eine ausgeprägte Schockwelle zu sehen, welche in Sana'a so nicht zu beobachten war. Es beginnt mit einer relativ kleinen aber hellen Detonation, geht in eine sehr helle Explosion über und endet als schnelle Verbrennung.

Nach der Detonation flogen noch lange Zeit Scud-Raketen in alle Richtungen davon. Das Munitionslager konnte also nicht vollständig zerstört worden sein, sonst wären die Raketen in der Hauptdetonation vernichtet worden. Das passt auch nicht so richtig ins Schema.

Konnten wir einen Test einer neuartigen Waffe beobachten?

Vielleicht, aber schauen wir doch erstmal, wo die Augenzeugen standen und wo genau die Detonation sich ereignete. Anhand dieser Information wäre die Grösse des Feuerballs genauer bestimmbar.

Im ersten Video ist im Hintergrund eine Bergkette zu sehen. Ich schaute mir die Karte von Sana'a und Umgebung an und stellte fest, dass aus dem Stadtzentrum nur der Bergkamm nordöstlich in Frage kommt. Die Vogelperspektive aus ein paar hundert Meter über der Stadt sieht schon mal wie gewünscht aus. Als nächstes versuchte ich, einzelne markante Punkte auf der Karte zu finden. Gleich zu Beginn des Videos sticht ein auffälliges Gebäude A mit Türmchen auf dem Flachdach in Auge.

Ein rötlicher Schein am Horizont zeigt einen Raketentreffer an.

Dieses Gebäude konnte ich auf Satellitenbildern auf der Koordinate 15°20'02.8"N 44°12'52.4"E ausmachen. Der Brand ist höchstwahrscheinlich in der Nähe von Anlagen ausserhalb der Stadt zu finden. Ein heisser Kandidat ist das Regierungsgelände B auf 15°20'25.2"N 44°13'52.4"E. Der Ort der analysierten Detonation ist hinter einer Erhebung versteckt. Das könnte für das Regierungsgelände C auf 15°21'12.5"N 44°14'29.0"E zutreffen. Der 1. Augenzeuge konnte über das Gebäude A den Bergkamm etwas südlich einer Erhebung sehen. Andererseits war seine Sicht auf C von einem Hügel kurz vor C behindert. Diese Merkmale treffen im Bereich der Kreuzung A1 mit Ring Rd zu.

Hunderte kleine Explosionen rund um den Feuerball.

Um die Position des Zeugen weiter einzupeilen, suchte ich nach weiteren Gebäuden und wurde mit dem Mövenpick-Hotel D auf 15°21'42.9"N+44°13'55.7"E fündig. Die relativen Sichtwinkel zwischen A, B, C und D sowie der geschätzten Distanz von etwa 4.3km zum Detonationsort C lokalisieren den 1. Augenzeugen zufriedenstellend genau bei ungefähr 15°20'06.9"N 44°12'19.4"E.

Umgebungskarte

Im zweiten Video findet sich erst gegen Ende eine gute Übersicht der Szenerie. Im folgenden Bild fällt links das Hotel D auf und etwas rechts haltend ein grosses Gebäude E. Das Gebäude ist in gerader Linie über einen freien Platz mit Bäumen und zwei niedrigen und flachen Hallen sichtbar. Der 2. Augenzeuge befand sich am Rande des Platzes auf einem Gebäude ungefähr 2.0km vom Detonationsort C entfernt.

Frontalansicht des voll entwickelten Rauchpilzes.

Eine Suche auf der Karte nach passenden Orten führt zur Position 15°21'42.0"N 44°13'26.5"E. Das Gebäude E ist mit grosser Wahrscheinlichkeit das mehrstöckige Wohngebäude auf 15°21'34.7"N 44°13'36.4"E. Eine Prüfung der Sichtwinkel zwischen C, D und E sowie der Distanz zu C fällt sehr zufriedenstellend aus. Die Szenerie im Hintergrund etwas südlich von C passt ebenfalls mit der Karte und Satellitenphotos überein.

Detonation der Rakete nach dem Einschlag.

Aus den jetzt bekannten Positionen lässt sich anhand der Bilder die Grösse der Feuerbälle recht genau ausmessen. Obiges Bild zeigt ein grösseres Wohngebäude im Vordergrund, welches sich auf der Karte in einer Distanz von etwa 700m vom 2. Augenzeugen befindet. Die Detonation der Bombe im Hintergrund produzierte somit einen 60m durchmessenden Feuerball. Das ist heftig aber mit konventionellen oder thermobarischen Waffen mittlerweile Standard. Schauen wir uns die Hauptdetonation an:

Schockwelle der Hauptdetonation.

Der Feuerball erreicht etwa 280m Durchmesser. Das Bild ist nur kurz überbelichtet, dann zeigt sich der Feuerball in voller Grösse mit rund 500m Durchmesser. Da fiel meine erste Schätzung sogar erfreulich genau aus. Im ersten Video kann man jetzt auch die Grösse der Rauchsäule und des -pilzes genauer einschätzen. Der Pilz wächst binnen weniger als 60s zu einer stattlichen Höhe von etwa 1.5km heran.

Voll ausgebildeter Rauchpilz von etwa 1.5km Höhe.

Schlussbemerkungen

Die Detonation / Explosion in Sana'a war sehr energiereich aber vergleichsweise langsam. Ich bleibe bei meiner ersten Einschätzung von 200-300t TNT Energie. Auffällig und nicht wirklich beantwortet ist die Frage, welche Waffen in welcher Menge und mit welcher Energie dazu beitrugen.

Dieser Angriff war vermutlich auch eine Machtdemonstration von und für Personen, welche sich vor ihrem eigenen Schatten fürchten. (Der Furchtlose braucht sich nicht zu beweisen.)

Posted by Marcel Leutenegger at 16:28
Teile und herrsche!

Die heutige Situation ist in der Geschichte vielleicht einmalig, da es durch das Internet möglich ist, sich eigenständig über verschiedenste Themen zu informieren. Besonders Augen öffnend ist diese Transparenz im Bereich der Geopolitik. Die eigenständige Information zur Herausbildung einer auf Tatsachen fussenden Meinung ist möglich und dringend notwendig, um den dritten Weltkrieg und die totale Verwüstung der Erde zu beenden. Das bedeutet Arbeit und Aufwand, aber es gibt meiner Ansicht nach keine lohnendere Investion, um den Frieden in Eurasien wieder herzustellen.

Ein Lichtblick im Propagandasturm ist zum Beispiel das Gespräch von KenFM mit Willy Wimmer, Albrecht Müller und Daniele Ganser über die Geopolitik der USA. Die grösste Angst der USA (und Grossbritanniens) ist seit jeher, dass Deutschland und Russland einen gemeinsamen eurasischen Wirtschafts- und Sicherheitsraum aufbauen, gegen den die USA nicht anstinken könnten. Deshalb werden regelmässig Keile zwischen Europa und Russland getrieben. Das Prinzip "teile und herrsche" wurde nahtlos von Grossbritannien übernommen und seit mehr als hundert Jahren systematisch ausgeführt. Mit bislang zwei Weltkriegen und einem jahrzehntelangen kalten Krieg leider sehr erfolgreich. Mit dem Krieg in der Ukraine bislang immer noch erfolgreich.

Das Pulverfass ist randvoll, die kurze Lunte brennt.

Im Unterschied zu früher ist es offensichtlich für jeden, der Augen und Ohren offen hält.

Posted by Marcel Leutenegger at 21:01
Krieg um die Ressourcen der Ukraine und Russland

Eigentlich würde ich Ihnen gerne Positives berichten. Allerdings scheint uns, und mit uns meine ich die Menschheit insgesamt, die Zeit davonzulaufen. Es gibt eine gut organisierte Gruppe von durchgeknallten Idioten in mächtigen Positionen, welche allen Ernstes in Erwägung ziehen, den totalen Vernichtungskrieg in die Tat umzusetzen. Und wie bei solchen Kreuzzügen üblich, schreiben sich die Massenmedien um den letzten Rest von Verstand, indem sie Kriegspropaganda und Falschinformation in Millionen Köpfe hämmern. Damit es an der Heimatfront ruhig bleibt, während Volkszertreter eben jener Länder ihrem Mordwerk nachgehen.

Eine Warnung vorab: wer diesen Links folgt, wählt die rote Pille.

Zum Krieg in der Ukraine wurde eigentlich schon alles berichtet. Wie Sie vermutlich wissen, lese und kommentiere ich auf Telepolis (etwa diese Diskussionen zum Thema).

Hintergrund

Dokumentationen

MH-17 Abschuss

Allgemeines

Posted by Marcel Leutenegger at 22:30
Kriegspropaganda aus allen Rohren

Aktuell findet in "unseren" Medien eine unsägliche Kriegshetze gegen Russland statt. Zweck dieser Übung soll sein, dass sich Europa in einen innereuropäischen Krieg gegen Russland treiben lässt, um den USA weiterhin die strategische Vorherrschaft in der Welt zu sichern. Falls sich Europa nicht endlich aus der NATO verabschiedet, werden wir auf unserem Kontinent erneut die desaströsen Folgen von Krieg und Verwüstung zu leben haben. Währenddessen werden die USA sich mit Waffenexporten wirtschaftlich gesund stossen.

Bei der Kriegspropaganda machen Schweizer Medien munter mit. Einen besonders unsäglichen Artikel in bester Propagandamanier druckte die NZZ am Freitag, 25. Juli 2014, unter der Überschrift "Kein Aufschrei in Russland" ab. Der Übertitel "Polemik statt Empathie" fasst die Qualität des Artikels perfekt zusammen.

Erste Regel "Kriegshetze 101" besagt [siehe hierzu Harald Welzer, Klimakriege: Wofür im 21. Jahrhundert getötet wird.], dass ein zukünftiger Gegner zuerst entmenschlicht werden muss, um ihn später ausknipsen (lassen) zu können. Der NZZ Artikel setzt diese Regel perfekt um. Indem Russen das Mitgefühl abgesprochen wird, werden diese gleichsam entmenschlicht. Wer selbst kein Mitgefühl für das Leiden anderer Leute entwickelt, ist ein Monster, ergo gefährlich, und sein/ihr Leben ist wenig wert.

Es stimmt, dass in Russland der Aufschrei ausblieb. Dafür gibt es zwei einfache Gründe. Erstens haben Russen vielfach das Interview mit den Separatisten in ganzer Länge gesehen und deshalb überhaupt keinen Grund für Empöreria, da die ungekürzte Version die westliche Deutungsweise schlicht als Lug und Betrug entlarvt. Und zweitens haben viele Russen nur solange genug zu essen, wie sie sich nicht übermässig lange mit hirnloser Politik beschäftigen.

Journalisten und Redaktionen, welche sich in einem Konflikt zur Partei machen, gehörten eigentlich am nächsten Baum aufgeknüpft. Alternativ gibt es für kriegsgeile Politiker und Medienleute eine zweckdienliche Verwendung: ab an die Front. Das Gemetzel dieser Leute untereinander erspart dem friedlichen Teil unserer Welt den Gang nach Kanossa.

Um dem Treiben ein Ende zu setzen, gibt es eine einfache Reaktion. Mit den Füssen abstimmen: Abonnement sofort künden mit Begründung an die Redaktion der Zeitung und die Zeitung am Kiosk gepflegt ignorieren. Und das solange durchziehen, bis sich bei Medien endlich ein Ethos durchsetzt, der Fakten korrekt und objektiv darstellt und grundsätzlich unterbindet, manipulativ (auf Gefühlsebene) die öffentliche Meinung zu beeinflussen.

Dieses Gespräch mit Willy Wimmer auf KenFM möchte ich allen zur Ansicht empfehlen.

Posted by Marcel Leutenegger at 19:48
Die Zerschlagung der Freiheit

Die Überwachung ist allgegenwärtig geworden. Ohne die Konsequenzen zu bedenken, geschweige denn gründlich zu diskutieren, schaffen wir unsere Grundrechte ab und werfen sie einem Sicherheitsapparat in den Rachen. "Wer nichts zu befürchten hat, braucht nichts zu verbergen!" denkt sich noch so mancher. Wenn dem so wäre, dann wären Sicherheitsbehörden die Ersten, auf die diese Aussage zutreffen müsste. Interessanterweise weigern sich aber gerade sie, ihre Tätigkeiten transparent zu machen und über ihre Erfolge und Misserfolge öffentlich Rechenschaft abzulegen. Was da wohl zu verbergen ist?

Ein weiteres Sprichwort besagt: "Macht korrumpiert - absolute Macht korrumpiert absolut!"

Mit zunehmender Überwachung steigt die Macht des Sicherheitsapparats. Entsprechende Einsatzmittel vorausgesetzt (zum Beispiel fernlenkbare Waffen oder schlicht Zugriff auf Banktransaktionen) erhält ein Überwacher nahezu unbeschränkte und keinerlei Kontrolle unterliegende Macht. Es braucht wenig Phantasie, um die Entwicklung der nächsten Jahre vorauszusehen. In wenigen Jahren wird es Überwachern möglich sein, gleichzeitig jede einzelne Person jederzeit weltweit lückenlos zu überwachen. Im Resultat wird eine Gesellschaft geformt, in der jeder Einzelne sich jederzeit normgemäss zu verhalten hat, will er/sie nicht riskieren, von Überwachern aufs Korn genommen zu werden. Freiheit wird zum Fremdwort. Sicherheit genauso, denn zuviel Überwachung schafft nur Unsicherheit und Angst. Im Ergebnis wird die Welt zum offenen Gefängnis.

Dagegen gäbe es ein wirksames Mittel: die Finanzierung der Überwachung einstellen, die Überwachungsinfrastruktur minimieren und die Überwacher nach Hause schicken.

Lesenswerte Artikel zum Thema

Posted by Marcel Leutenegger at 18:54
Studie zur Gentechnik in der Landwirtschaft

Christoph Then, ein langjähriger Kritiker der sogenannten grünen Gentechnik, verfasste eine lesenswerte Studie über den Einsatz von gentechnisch veränderten Nutzpflanzen in den USA.

Die Studie zeigt anhand der USA exemplarisch auf, welche Auswirkungen der langjährige Einsatz von gentechnisch schädlings-, pestizid- und/oder herbizidresistent gemachten Nutzpflanzen auf die Umwelt und die Qualität der so produzierten Lebensmittel hat. Wenig erstaunlich kommt die Studie unter anderem zum Schluss, dass sich Schädlinge nach kurzer Zeit an Gifte anpassen, denen sie dauerhaft in hohen Mengen ausgesetzt sind. In der Folge stellt sich ein Wettrüsten zwischen grossen Agrokonzernen wie Monsanto, Bauern und Schädlingen ein, welches letztlich zu einer zunehmenden Giftbelastung in den produzierten Lebensmitteln führt.

In grossen Monokulturen angebaut sind gentechnisch veränderte Nutzpflanzen langfristig genauso anfällig auf Schädlinge wie herkömmliche Pflanzen. Somit bleibt von der Gentechnik in der Landwirtschaft wohl nur der erhöhte Einsatz von Giften übrig, welcher sich in einer höheren Belastung durch Rückstände in den Lebensmitteln negativ auswirkt.

Fazit | Keine Gentechnik auf unseren Äckern! Erst recht nicht, solange sie patentrechtlich geschützt ist, da sie so einzig und allein den grossen Agrokonzernen kurzfristige Profite auf Kosten der Allgemeinheit ermöglicht!

Posted by Marcel Leutenegger at 11:52
Der Krieg gegen Iran

Nach Irak und Afghanistan steht nun Iran ganz oben auf der geopolitischen Speisekarte der NATO. Iran findet sich heute mehr denn je umzingelt von US-Militärbasen und US-Vasallenstaaten. Das Land ist wegen seinem Atomprogramm international zunehmend isoliert und leidet unter den Sanktionen, welche die westlichen Staaten ihm auferlegen. Wenig hilfreich ist zudem, dass Irans grosse Öl- und Gasreserven sehr begehrt sind. Ursächlich für den Konflikt sind Irans Beharren auf Souveränität und Selbstbestimmung gegen westliche Forderungen nach Unterwerfung.

Hintergrund (Wikipedia) | 1906 setzte Iran sein erstes Parlament ein und wurde eine konstitutionelle Monarchie. 1925 stürzte Reza Khan Regierung und Parlament und machte sich zum Schah. Er industrialisierte das Land, liess Eisenbahnen bauen und führte eine landesweite Schulbildung ein. Er versuchte die UdSSR und Grossbritannien gegen Deutschland auszuspielen, um ihren Einfluss zu beschränken. Dies führte 1941 zur Besetzung Irans durch die UdSSR und Grossbritannien. Der Schah wurde abgesetzt und sein Sohn Mohammad Reza Pahlavi trat an seine Stelle.

1951 wurde Mohammad Mosaddegh vom Parlament zum Premierminister gewählt. Er wurde im Volk sehr beliebt, weil er Irans Öl- und Gasvorkommen verstaatlichte. Grossbritannien holte sich deshalb Hilfe bei den USA. Gemeinsam stürzten sie 1953 die Regierung und verhafteten Mosaddegh. Unter US-Kontrolle regierte Mohammad Reza Pahlavi in den folgenden Jahren zunehmend autoritär. Einerseits trieb er die Industrialisierung Irans voran. Andererseits verfolgte er gnadenlos jegliche Opposition. Dies führte 1978 zur islamischen Revolution, welche 1979 den Schah in die Flucht trieb. Irans Militär erklärte sich zehn Tage später für "neutral" und liess die erfolgreichen Revolutionäre gewähren.

Iran wurde wenig später per Volksreferendum zur Islamischen Republik, welche am 1. April 1979 offiziell verkündet wurde. Im Dezember 1979 nahm Iran eine theokratische Verfassung an und Ayatollah Ruhollah Khomeini wurde der oberste Führer des Landes. Obwohl die Revolution von der gesamten Bevölkerung getragen wurde, verschwanden nach dem Regierungswechsel erneut tausende Bürger in Kerkern. Die Beziehungen mit den USA verschlechterten sich rapide, nicht zuletzt weil am 4. November 1979 Studenten die US-Botschaft in Teheran besetzten und die Botschaftsangestellten in Geiselhaft nahmen. Erst 444 Tage später kamen die letzten Geiseln frei.

Im Januar 1981 nutzte Sadam Hussein die iranischen Wirren aus und marschierte in Iran ein. Nach ersten Landgewinnen Iraks warf Irans Militär die Irakische Armee 1982 aus dem Land. Der desaströse Krieg dauerte bis zur Unterzeichnung des Friedensvertrags 1988 an, auch weil Khomeini die islamische Revolution in den Irak zu exportieren versuchte.

Die Eiszeit zwischen Irans Regierung und dem US-Kongress hält nach wie vor an.

Irans jüngere Geschichte hat in die ehemalige persische Hochkultur tiefe Wunden geschlagen. Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, wird Irans Zivilgesellschaft den Schritt zur Demokratie erneut schaffen. Folter, politische Verfolgung und dergleichen Unsitten mehr feiern zwar nach wie vor Urstände. Der Wunsch nach Selbstbestimmung, Freiheit und Frieden wird langfristig aber stärker sein als die herrschenden Verhältnisse. Sofern Iran die Zeit des Wandels zugestanden wird, wird es zur Demokratie zurückfinden.

Atomstreit | Irans Regierung muss zum Schluss gekommen sein, dass sie eine erneute Fremdbestimmung nur abwenden kann, wenn sie sich zumindest die Option auf Atomwaffen verschafft. Iran hat den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet und darf deshalb keine Atomwaffen entwickeln oder beschaffen. Andererseits darf Iran nicht von anderen Staaten mit einem Atomwaffeneinsatz bedroht werden. Und es darf Nukleartechnik für friedliche Zwecke nutzen. Die zivile Nutzung schliesst medizinische Zwecke ein, wofür kleine Mengen Uran bis auf 20% angereichert werden, um in Forschungsreaktoren kurzlebige Spaltprodukte in genügender Menge bereitstellen zu können. Iran nutzt seine eigenen Uranvorkommen und reichert Uran eigenständig für Forschung und Energiegewinnung an, was es unabhängiger von ausländischen Uranlieferungen macht. Nicht zuletzt entzieht sich Iran damit den Launen der Sanktionsfreaks innerhalb der NATO.

Bis 2003 betrieb Iran ein Forschungsprogramm für Atomwaffentechnik. Es stellt zudem eigene Kurz- und Mittelstreckenraketen her. Insgesamt besitzt Iran einen Grossteil des Wissens und der Erfahrung, welche für den Bau von Atombomben und Trägerraketen nötig sind. Sollte Irans Führung den Bau von Atombomben befehlen, dürfte das Land binnen weniger Jahre einzelne Atomwaffen herstellen können. Gemäss der internationalen Atomenergieaufsicht (IAEA) und Geheimdienstberichten von Mossad und CIA besitzt Iran keine Atomwaffen und würde mindestens 12-18 Monate benötigen, um welche herzustellen.

Es steht ausser Frage, dass Irans Atomprogramm vor 2003 den Atomwaffensperrvertrag verletzte. Es steht auch fest, dass die zivile Nutzung der Nukleartechnik erlaubt ist. Auch die Anreicherung im eigenen Land, obgleich dies Atommächte gerne anders sehen. Iran hat in der Vergangenheit keine Angriffe gegen andere Länder geführt. Es setzte nie Massenvernichtungswaffen wie Uran- oder Streubomben (NATO, Israel) oder Giftgas (Irak) ein. Und Irans Führung sabotierte und bombte nicht im Ausland rum. Insofern gibt es wenig Grund für Sanktionen gegen das Land, zumal die iranische Führung meines Erachtens mindestens so glaubwürdig ist wie ihre Gegner.

Israel | Ganz besonders der Atommacht Israel passt es überhaupt nicht, wenn sich Nachbarn für Kernenergie interessieren. Israel zerstörte mit Luftangriffen im Bau befindliche Kernkraftwerke in Irak und Syrien. Es sabotierte mit Stuxnet die Atomanreicherung in Iran und es steht massgeblich hinter der Ermordung iranischer Atomwissenschaftler. Die Explosion eines Munitionslagers (Raketentestgelände von mehreren Hektaren in Trümmern) dürfte auch kein Unfall gewesen sein. Ausserdem droht Israel zur Zeit erneut mit einem Angriff auf iranische Atomanlagen.

Derlei durch Sabotage und Terror bekräftigte Drohungen heizen den Konflikt mit Iran erst recht an. Wird diese Strategie fortgesetzt, wird sich Irans Regierung mittelfristig Atomwaffen beschaffen müssen, um Irans Souveränität zu sichern.

UnRecht | Israel hat den Atomwaffensperrvertrag nicht unterzeichnet und deshalb keinerlei Berechtigung, weder legal noch moralisch, andere Länder wegen ihren Nuklearprogrammen zu kritisieren. Ein israelischer Angriff (mit taktischen Atomwaffen?) auf Iran würde alle anderen Atommächte auffordern, Israel in die Schranken zu weisen. Falls sich atomwaffenfreie Staaten nicht mehr sicher sein können, einer nuklearen Bedrohung zu entgehen, wäre der Atomwaffensperrvertrag Makulatur. Dies würde direkt in ein weltweites nukleares Wettrüsten münden. Die gleichen Konsequenzen hätte meines Erachtens auch eine Freisetzung grösserer Mengen an radioaktivem Material aus bombardierten Nuklearanlagen Irans.

Man kann von Israel halten, was man will. Falls es militärisch gegen Iran vorgehen will, benötigt es zumindest die schweigende Zustimmung einer Mehrheit seiner Handels- und Rüstungspartner. Ohne diese Unterstützung würde es sich unwiderruflich isolieren. Falls Israel Krieg gegen Iran führen will, wird seine Führung deshalb alles tun, diesen Angriff zu rechtfertigen.

Man darf und sollte sich ruhig fragen, wem die jüngsten Attentate auf israelische Diplomaten in Indien und Georgien dienen. Israel klagte binnen Stunden Irans Führung an. Diese dementierte umgehend und stellte dies als Teil der psychologischen Kriegsführung gegen Iran dar. Ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass Iran mit derlei Aktionen Sympathiepunkte sammelt, noch dazu in ihm freundlich gesinnten Ländern. [Es könnte jedoch ein Versuch Irans sein, Israels Angriffe zu stoppen.] Also doch: Attentate unter falscher Flagge.

Erinnert fatal an 9/11, George W. Bush und Osama Bin Laden.

Alternativen | Eine friedliche Lösung des Atomkonflikts mit Iran wäre relativ einfach zu erreichen. Die USA und Israel müssten hierzu mit Iran einen Nichtangriffspakt unterzeichnen. Iran bot den USA einen solchen Vertrag schon vor Jahren an, scheiterte aber am feindseligen US-Kongress. Des weiteren müsste Irans Souveränität respektiert werden. Was einschliesst, dass Iran im Rahmen von Handelsabkommen selbst entscheidet, zu welchen Konditionen und wem es Öl und Gas verkauft. Iran müsste im Gegenzug Israel anerkennen und erweiterte Kontrollen durch die IAEA zulassen. Schliesslich sollten alle drei Staaten aufhören, gewalttätige Gruppierungen zu unterstützen. Israel sollte besser anfangen, mit den Palästinensern ernsthaft einen Frieden auszuhandeln. Bislang erstickt Israels völkerrechtswidriger Siedlungsbau jegliche Lösung im Keim.

Es gibt Alternativen! Wer anderes behauptet, ist unfähig oder lügt.

Fazit | Kooperation statt Konfrontation wäre das Gebot der Stunde. Leider scheinen NATO, die EU und Israel eher am Konflikt interessiert zu sein. Vorsorglich nabelt sich die EU in den nächsten Monaten von Öl- und Gaslieferungen aus Iran ab, denn Israel ist ein hochexplosives Pulverfass mit brennender Lunte. Israel hat aufgrund des US-Schutzes keinerlei Sanktionen zu befürchten und es kann wie gehabt auf volle US-Waffenarsenale zugreifen. Kombiniert mit einer paranoiden Führung im Grössenwahn eine mörderische Mischung.

Es lohnt sich, das Funkhausgespräch Iran im Kreuzfeuer - Konfrontation statt Kooperation zu hören, gesendet um 21 Uhr am 2. Februar 2012 auf WDR5.

Posted by Marcel Leutenegger at 18:41
Per Funk auslesbare Pässe

Viele Jahrzehnte lang war ein Pass ein fälschungssicheres Ausweisdokument mit Lichtbild und einer Beschreibung der wichtigsten äusseren Merkmale einer Person. Vorzeigen des Passes erlaubte einem Beamten die Überprüfung der Echtheit des Dokuments und die Identifizierung der Person anhand von Gesicht, Grösse und Augenfarbe. Ab 2003 wurden die Schweizer Pässe und Identitätskarten maschinenlesbar ausgeführt, so dass die kontrollierenden Beamten die Dokumentinformationen mittels optischem Scanner einfach auf den Computer übertragen konnten. Eine transparente Angelegenheit auf Augenhöhe: man musste seinen Pass vorzeigen und wusste so jederzeit, wann und von wem man kontrolliert wurde.

Dann geschah Merkwürdiges. Die USA verschärften mehrmals die Einreisebestimmungen und führten unter anderem eine allgemeine Visumspflicht ein. Davon ausgenommen waren Personen mit maschinenlesbarem Pass wie etwa dem Schweizer Pass 2003, sofern sie ihre persönlichen Daten freiwillig zur Verfügung stellten. Die Schweizer Regierung wollte einen per Funk fernauslesbaren Pass einführen, welcher zusätzlich Fingerabdruckdaten enthalten sollte. Dies endete in einer öffentlichen Debatte und einem Referendum über den Pass 2006. Unsere Regierung behauptete, dass der Pass 2003 zur visumsfreien Einreise in die USA nicht ausreiche, was damals nachweislich falsch war. Die Abstimmung ging denkwürdig knapp aus: gut 2500 Abstimmende machten den Unterschied, was gerade mal 0.1% Stimmendifferenz entsprach. Sämtliche Kantone weigerten sich anschliessend vehement, die Stimmzettel nachzuzählen und das Ergebnis zu prüfen, obwohl bei einer Differenz von weniger als 1% eine schweizweite Nachzählung angebracht ist. Der Pass 2006 wurde somit im Oktober 2006 eingeführt. Der Bundesrat versprach aufgrund des knappen Resultats auf die zentrale Speicherung der Fingerabdruckdaten bei der Passerstellung zu verzichten.

Sie mögen sich wundern, warum ich den Pass 2006 nicht "biometrischen Pass" nenne. Ganz einfach, biometrisch waren Pässe schon immer. Es ist ihre ureigene Aufgabe, biometrische Daten zur Person zu speichern. Neu am Pass 2006 waren die Auslesbarkeit per Funk, die Speicherung von persönlichen Merkmalen, welche im Alltag nicht sichtbar sind, sowie die geplante Speicherung dieser Daten in einer zentralen Datenbank des Bundes. Alle drei Neuerungen stellen jeweils für sich genommen und in Summe ein Sicherheitsrisiko dar.

1. Die Auslesbarkeit per Funk führt dazu, dass Personen nicht mehr mitkriegen, wann und von wem sie kontrolliert werden. Sie haben somit keine Chance, sich gegen unberechtigte Zugriffe auf ihre Identität zu wehren. Entsprechende Ausrüstung vorausgesetzt können Funkpässe aus 100-200m Entfernung gelesen oder (von Hackern) mitgelesen werden. Die Fernauslesbarkeit degradiert Angehörige eines Staates zu Untertanen, vergleichbar mit Nutztieren, welche mit Ohrmarken und Chip gekennzeichnet werden.

Mehehe! Mööööh! Bäääh! Üben Sie schon mal.

2. Die Speicherung von nicht offensichtlichen Merkmalen führt dazu, dass unnötige Details zur Person bekannt werden. Was gespeichert wird, muss zuvor erhoben werden und ist ab diesem Zeitpunkt dem Hersteller des Passes bekannt. Ferner können diese Daten ausgelesen/kopiert werden und sind somit Drittstaaten offiziell zugänglich. Das Problem hierbei ist die intransparente Verwendung dieser Daten. Seine Identitätsmerkmale kann man nicht wechseln, wenn sie missbraucht werden. Sind sie aber erst einmal in den falschen Händen, können sie nach Belieben benutzt werden.

3. Was elektronisch gespeichert ist, kann jederzeit einem Datendiebstahl zum Opfer fallen. Die blosse Existenz einer zentralen Datenbank für persönliche Merkmale ist ein Risiko. Der Bundesrat sagte zwar zu, dass die Daten bei der Passerstellung nicht in die Datenbank kopiert würden. Zu Kontrollen schwieg er sich aber aus. Die zentrale Datenbank ist über diesen Umweg längst gut gefüllt.

Mehehe! Mööööh! Bäääh! Üben Sie besser nochmal.

Derlei Datenhalden wecken natürlich Begehrlichkeiten. Erneut sind es dieser Tage die USA, die ihrer Gier nach weltweiter Dominanz nachgeben und der Schweiz ein Ultimatum setzen. Zugriff auf die Identitäts-Datenbank ab Sommer 2012 oder Visumspflicht trotz allem! Man muss doch seine Untergebenen von Zeit zu Zeit spüren lassen, dass sie Leibeigene sind.

Ich habe ja schon 2006 nicht verstanden, warum eine visumsfreie Einreise in die USA für die Schweiz wichtig sei. Noch weniger verstehe ich, dass wir seit einem Jahr zur Einreise in die USA 10 Dollar bezahlen, um damit die Kosten für die unerwünschte Speicherung und Verarbeitung unserer Daten zu decken. Die USA - das Disneyland mit Eintrittsgebühr.

Falls unser Land Rückgrat hat, macht es endlich das, was schon von Anfang an angezeigt gewesen wäre. Wir führen für US-Reisende exakt dieselben miesen Spielregeln ein, wie die USA für uns. Quid pro quo - Brasilien macht es seit Jahren vor. Dort stehen US-Bürger an einer eigenen Passkontrolle, die sie bis auf die Unterwäsche durchfilzt. Da wir ab Sommer 2012 ohnehin ein US-Visum benötigen, können wir auf den Funkchip und auf Fingerabdrücke im Pass fortan verzichten und zum billigeren und sicheren Pass 2003 zurückkehren. Überhaupt können wir auf USA-Reisen gänzlich verzichten.

Ich befürchte leider, dass unsere Regierung zu den Wirbellosen gehört. Also wird sie sich wie der Maggi-Suppenlöffel winden, um die US-Ansprüche zu befriedigen. Ich frage mich derweil erneut, wieso unsere Regierung den USA die Stiefel leckt. Wir sind doch ihr Souverän - oder habe ich etwas Wichtiges vergessen?

Ich sage deshalb voraus, dass wir bald auch noch unsere Iris scannen und unsere DNA herausrücken sollen. In nicht allzu ferner Zukunft wird uns der Ausweischip dann gleich bei der Geburt ins Stammhirn gejagt, damit er dort lebenslänglich verbleibt.

Mehehe! Möööh! Bääähää! Sie werden es noch brauchen!

Fazit | Die Auslesbarkeit per Funk verstösst meines Erachtens gegen die Artikel 5, 7 und 13 unserer Bundesverfassung, nachgerade weil sie keinerlei Sicherheitsgewinn bietet.

Art. 5 Grundsätze rechtsstaatlichen Handelns
1 Grundlage und Schranke staatlichen Handelns ist das Recht.
2 Staatliches Handeln muss im öffentlichen Interesse liegen und verhältnismässig sein.
3 Staatliche Organe und Private handeln nach Treu und Glauben.
4 Bund und Kantone beachten das Völkerrecht.

Art. 7 Menschenwürde
Die Würde des Menschen ist zu achten und zu schützen.

Art. 13 Schutz der Privatsphäre
1 Jede Person hat Anspruch auf Achtung ihres Privat- und Familienlebens, ihrer Wohnung sowie ihres Brief-, Post- und Fernmeldeverkehrs.
2 Jede Person hat Anspruch auf Schutz vor Missbrauch ihrer persönlichen Daten.

Posted by Marcel Leutenegger at 8:43
Die Schweiz herunterfahren

Der Bericht des Bundesrates an die Bundesversammlung über die Sicherheitspolitik der Schweiz vom 23. Juni 2010 beschreibt mögliche Bedrohungen der Sicherheit der Schweiz, Gefahren für ihre Bevölkerung und deren Vermeidung. Zwei plausible Szenarien möchte ich hier ansprechen. Beiden Szenarien lege ich einen handfesten Wirtschaftskonflikt zugrunde, in dessen Entwicklung die Schweiz von Drittstatten unter Druck gesetzt wird, fremde Interessen zu bedienen (Nötigung mit wirtschaftlichen Mitteln, Seite 13). Ein Scheitern des Euros oder eine ausufernde Schuldenkrise der Euroländer könnte diese dazu bewegen, die in der Schweiz vermuteten Schwarzgelder auf brachiale Weise einzutreiben. Selbiges gilt für die USA, welche sich in der Schweiz mit insgesamt 60 Milliarden Franken schon mehrfach bedienten. Es dürfte mittlerweile jedem klar geworden sein, dass sich Pleitestaaten Steuerflucht weder leisten können noch wollen.

Wie könnte die EU die Schweiz erpressen?

Wie dargelegt importiert die Schweiz mehr als 80% ihres Energieverbrauchs. Im Herzen der EU lässt es sich gut leben, solange der Nachschub an Rohstoffen, Materialien und Nahrungsmitteln sichergestellt ist (Wirtschaftliche Landesversorgung, Seite 65). Falls die EU aber die Grenze in die Schweiz schliessen sollte und der Schweiz die Benutzung des europäischen Luftraums verweigern sollte, würden wir binnen weniger Monate kapitulieren müssen.

Rohstoffe für viele Industrieprodukte würden innert Tagen bis Wochen zur Neige gehen. Das just-in-time-Wirtschaften mag zwar ökonomisch sein, reagiert aber allergisch auf Lieferunterbrüche. Die Pflichtlager für Erdölprodukte und Erdgas würden immerhin drei bis sechs Monate überbrücken können.

Frische Lebensmittel wie Gemüse, Früchte, Fleisch und Milch würden schnell knapp. Grundnahrungsmittel wären für rund sechs Monate ausreichend vorhanden, danach wäre eine ausreichende Versorgung nicht mehr gewährleistet. Warnung sollte uns der Plan Wahlen sein. Seine Anbauschlacht brachte die Schweiz im zweiten Weltkrieg gerade so über die Runden. Heute aber sind doppelt soviele Leute zu versorgen. Weil zudem viel Agrarland verbaut wurde, können wir uns trotz besserer Erträge nicht mehr autonom ernähren.

Wie könnten die USA vorgehen?

Den USA stehen grundsätzlich zwei Möglichkeiten offen. Erstens indirekt über die NATO nach obigem Szenario. Die NATO ist ein Angriffsbündnis der Transatlantiker, welches seit seiner Gründung fast pausenlos Wirtschafts- und Rohstoffkriege führt. Zweitens direkt durch Androhen oder Ausführen eines Angriffs auf die Achillesferse der Schweiz - ihre Kernkraftwerke (Verwundbarkeit der Schweiz, Seite 18). Eine Jägerstaffel mit bunkerbrechenden Bomben würde ausreichen, um das Dreieck Basel-Zürich-Bern ausser Betrieb zu setzen.

Sehr empfehlenswert sind die Informationen der Informationsstelle Militarisierung zum Thema Kein Frieden mit der NATO. Das Buch NATO Geheimarmeen in Europa: Inszenierter Terror und verdeckte Kriegsführung von Daniele Ganser fasst die Kriegführung und Einflussnahme der NATO in Europa zusammen. Diese Aktivitäten wurden zwar teilweise aufgedeckt und aufgearbeitet, wie aber die Organisation P4 in Italien auf die aufgeflogene P2 folgte, sind dieselben Propaganda- und Terrorstrukturen unter neuen Namen weiter aktiv.

Wie wahrscheinlich sind diese Szenarien?

Einerseits ist klar, dass beide Angriffe einer Kriegserklärung gegen die Schweiz gleichkämen. Sie verstossen zudem gegen internationale Verträge, welche den Schutz der Zivilbevölkerung vorschreiben. Andererseits setzt sich die NATO permanent darüber hinweg, indem sie zum Beispiel Massenvernichtungswaffen wie Uran- oder Streumunition einsetzt - im Irak, auf dem Balkan, in Afghanistan. Und die USA scheuten sich nicht, Länder wegen frei erfundener Lügen in die Steinzeit zu bomben. Das nächste Opfer dürfte Iran sein, welches als bisher einziges entwickeltes Land seine Bodenschätze schonte. Vorne mit dabei jeweils einzelne EU/NATO-Mitglieder wie Grossbritannien, Frankreich oder Deutschland.

Ich gehe davon aus, dass die EU und die USA ihre Interessen vermehrt mit Gewalt durchsetzen werden. Deutschland hat dafür seit 1995 die offizielle Doktrin, seine Rohstoffversorgung auch mit militärischen Mitteln sicherzustellen (Horst Köhler wurde zurückgetreten, weil er dies öffentlich aussprach). Die neuen EU-Verträge sind von derselben Doktrin vergiftet.

Wie kann die Schweiz Angriffsflächen reduzieren?

  1. Wir sollten möglichst bald alle unsere Atomkraftwerke abschalten, um die Bedrohung durch eine (provozierte) Havarie zu beenden. Mühleberg und Beznau I könnten wir beispielsweise sofort vom Netz nehmen.
  2. Wir sollten die Steuerflucht bekämpfen und Hilfe zur Steuerflucht rigoros strafrechtlich verfolgen. In grösserem Ausmass kommt dies einem Landesverrat gleich, weil die Schweiz deswegen erpressbar wird.
  3. Wir sollten unsere Abhängigkeit vom Ausland zügig reduzieren, insbesondere auf dem zunehmend härter umkämpften Energiesektor. Dieses Thema wird in weiteren Beiträgen illustriert.
  4. Ferner sollten wir uns endlich dazu durchringen, die Welt nicht mehr mit Schweizer Waffen zu beglücken. Der sicherheitspolitische Bericht empfiehlt zwar die Verbreitung von Waffen aller Art zu vermindern (Abrüstung und Rüstungskontrolle, Seite 32). Allerdings soll die Schweizer Rüstungsindustrie weiter exportieren dürfen, da Armee und Sicherheitsbehörden ein zu kleiner Heimmarkt sei (Rüstungspolitik und Zusammenarbeit mit dem privaten Sektor, Seite 51).

Insgesamt müssen wir darauf bauen, dass wir als funktionierender Kleinstaat interessanter sind denn als abgehalftertes Wrack. Dabei sollten wir nie vergessen, uns konsequent von jeder Kriegstreiberei zu distanzieren.

Posted by Marcel Leutenegger at 7:47