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Nachhaltige Gesellschaft

Gesundheitliche Folgen von Radioaktivität

Die Medizinerin und Aktivistin Helen Caldicott erklärt in diesem sehenswerten Vortrag (englisch) die Folgen von Radioaktivität und gibt einen Überblick über die Folgen von den Reaktorkatastrophen in Fukushima Daiichi und Tschernobyl.

Ein weiterer extrem wichtiger Beitrag bezüglich den Folgen von Uranwaffen findet sich in einem Interview mit Dr. Christopher Busby (englisch), welcher als Experte für Veteranen britischer Atomwaffentests in mehreren Gerichtsverfahren aussagte.

Helen Caldicott und Christopher Busby schätzen die geopolitische Situation ebenfalls als brandgefährlich ein. Falls sich aus dem Ukrainekonflikt ein grosser Krieg entwickelt, wird die gesamte Biosphäre der Erde ein radioaktives Ende nehmen. Atombomben alleine können die Erde so stark radioaktiv verseuchen, dass die Menschheit aussterben würde. Viel schlimmer wären jedoch hunderte Kernkraftwerke, welche durch wochenlange Stromausfälle und Chaos ausser Kontrolle geraten könnten und ihr tödliches Inventar über die Kontinente verteilen würden. Dieses Armageddon würde sich zwangsläufig aus einem Krieg zwischen Industrienationen entwickeln, selbst wenn keine einzige Atombombe eingesetzt würde.

Fazit | Es beruhigt mich keineswegs, dass ich nicht der einzige bin, der so denkt und fürchtet, dass unsere Regierungen zu dämlich sind, um dieses Armageddon unter allen Umständen zu verhindern. Weiterhin herrscht die äffische Logik vor, dass mit Sanktionen und Waffengewalt noch etwas erreicht werden könnte, was diplomatische Worte und Verhandlungen längst erzielt hätten. So man denn auf Augenhöhe und mit gegenseitigem Respekt verhandeln würde...

Posted by Marcel Leutenegger at 17:31
Fukushima: Das grosse Sterben beginnt.

Die Situation nach der vierfachen Kernreaktorhavarie in Fukushima Daiichi bleibt fragil. Seit Sonntag 6. Juli 2014 ist die Kühlung des fast vollen Lagerbeckens von Reaktor 5 ausser Betrieb, weil ein Leck im Wärmetauscher gefunden wurde. Die Trennung der zwei Kühlkreisläufe blieb intakt, so dass kein Meerwasser zusätzlich kontaminiert wurde. (Das würde wegen der seit drei Jahren andauernden Kontaminierung via verseuchtem Grundwasser kaum mehr ins Gewicht fallen.) Bis zur Reparatur der Beckenkühlung kühlt TEPCO abwechselnd die Brennelemente im Lagerbecken und im Reaktorkern, indem die Reaktorkühlung zeitweilig als Beckenkühlung benutzt wird.

Derweil werden die Folgen der nuklearen Havarien vom März 2011 immer offensichtlicher:

Der Zeitpunkt sowie die ausserordentlichen Folgen sind für mich starke Indizien dafür, dass das atomare Feuer aus Fukushima Alaska und die Westküste Amerikas heimsucht. Viele Massensterben sind zwar wissenschaftlich noch nicht untersucht, aber selbst die stärkste Erwärmung des Pazifiks während eines El-Ninios führte nicht zu derart drastischen Folgen.

Wie steht es um uns Menschen?

Untersuchungen in Tschernobyl ergaben, dass die beta-Strahlung (schnelle Elektronen) bei Pflanzen für 96% der Strahlenschäden verantwortlich war. Insbesondere Blätter und Nadeln wurden durch sie geschädigt, da die schnellen Elektronen ihre Energie innerhalb von wenigen Millimetern im Gewebe abgeben. Dies bedeutet, dass besonders die Haut eine grosse Strahlungsdosis abkriegt, wenn wir wegen einer Reaktorhavarie Radioaktivität ausgesetzt sind. Die Strahlungsdosis durch gamma-Strahlung (energiereiche Photonen) verteilt sich gleichmässiger über alle Organe, da gamma-Strahlung den Körper durchdringt (Grundlage zum Röntgen). Die alpha-Strahlung (schnelle Heliumkerne) hingegen deponiert ihre Energie innerhalb weniger hundertstel Millimeter in der äussersten toten Hautschicht. Alpha-Strahlung wirkt in den Atemwegen und im Körperinneren zerstörerisch, weil dort die Heliumkerne direkt auf lebende Zellen treffen.

Japan | Die medizinische Lage für die Arbeiter und die Bevölkerung in Fukushima verschlechtert sich zunehmend. In der Präfektur Fukushima wurden die Schilddrüsen von 370'000 Kindern unter 18 Jahren untersucht. Gut drei Jahre nach den vier Reaktorhavarien wurde schon bei 50 Kindern Schilddrüsenkrebs diagnostiziert. Trotz Entfernung der Schilddrüsen breiten sich bei einigen operierten Kindern Krebszellen in die Lymphknoten und Lungen aus (Metastasen). Bei weiteren 39 Kindern besteht zudem starker Verdacht auf Schilddrüsenkrebs. Derlei Verdachtsfälle bestätigten sich in der Vergangenheit fast immer.

  • Von 370'000 untersuchten Kindern unter 18 Jahren haben in 40 Monaten bereits 89 Kinder Schilddrüsenkrebs entwickelt. Das entspricht einer Erkrankungsrate von jährlich 72 pro Million Kinder. Da 2011 noch keine Fälle auftraten und 2012 nur wenige, liegt die aktuelle Krebsrate bei etwa 150-200 pro Million Kinder. Diese Rate bedeutet, dass 2-3% der Kinder in Fukushima vor ihrem 20. Geburtstag an Schilddrüsenkrebs erkranken werden.
  • 287'000 Kinder wurden bislang zweimal untersucht, um verdächtige Schilddrüsenbefunde abzuklären. Bei über 48% (2012: 36%) wurden Zysten und Knoten an oder in der Schilddrüse gefunden. Diese sind bei Kindern als Krebsvorstufe zu betrachten. Ich gehe deshalb davon aus, dass von den Kindern der Präfektur Fukushima in ihrem Leben etwa die Hälfte an Schilddrüsenkrebs erkranken wird.

Ein Vergleich mit der langjährigen Krebsstatistik in der Schweiz zeigt die Monströsität dieser Raten. Zwischen 1983 und 2010 erkrankten in der Schweiz jährlich 6-7 Kinder unter 20 Jahren an Schilddrüsenkrebs. Dies entspricht einer Erkrankungsrate von jährlich 4 pro Million Kinder. Die Erkrankungsrate blieb in dieser Altersgruppe nahezu konstant trotz Tschernobyl. Die Erkrankungsrate der Kinder aus Fukushima ist schon 40 bis 50 mal höher und nimmt weiter zu.

Generell gilt, dass die gesundheitlichen Schäden umso krasser sein werden, je länger sich Menschen in verseuchten Gebieten aufhalten. Es kommt daher einem Landesverrat gleich, die Bevölkerung nicht aus verseuchten Gebieten zu evakuieren und sie stattdessen zur Rückkehr und zum Verzehr belasteter Nahrungsmittel aufzufordern.

Nordamerika | Berechnungen und Messungen der Verteilung und Absetzung radioaktiver Stoffe aus Fukushima zeigen, dass mit dem Wind binnen Tagen viel Radioaktivität in die USA gelangte (und immer noch gelangt). Niederschläge wuschen lokal besonders viele radioaktive Stoffe aus der Luft aus und deponierten sie am Boden und in Gewässern. Gemäss dieser Schätzung [Robert C. Soltysik, "Fukushima research" (2012)] starben in den USA aufgrund der radioaktiven Belastung 2011 zwischen 50'000 und 75'000 Personen zusätzlich.

Doch damit nicht genug: Washington verzeichnete 2011 beispielsweise eine rekordhohe Anzahl von Fehlgeburten: 20% mehr als 2010. Fehlgeburten wegen Entwicklungsstörungen traten 60% öfter auf als 2010. Plazentaablösung und andere Gebärmutterprobleme 20% öfter [Libbe HaLevy, Nuclear Hotseat #158, 3:30-4:25 (2014)]. Alle drei Zahlen sind Allzeitrekorde für den Bundesstaat. 2012 normalisierte sich die Anzahl Fehlgeburten auf dem Niveau von 2010, was dem bekannten Verlauf bei radioaktiver Verseuchung durch Fallout von Atombomben entspricht.

Ähnliche Effekte sind in Japan zu erwarten, da das Land ebenfalls sehr viel Fallout abbekam (inklusive der Hauptstadt Tokio). Japan verzeichnete 2011 rund 64'000 zusätzliche Todesfälle. Etwa 20'000 Menschen fielen dem Erdbeben und Tsunami am 11. März 2011 zum Opfer. Unter Berücksichtigung der demographischen Entwicklung verbleiben 20'000 bis 30'000 zusätzliche Todesfälle, welche wahrscheinlich durch die Reaktorhavarien verursacht wurden. Somit verzeichneten 2011 sowohl die USA wie Japan 1-2% zusätzliche Todesfälle wegen Fukushima. Der Geburtenrückgang ist hierbei nur teilweise berücksichtigt, da frühe Fehlgeburten häufig nicht gemeldet werden.

Fazit | Selbst bei vorsichtiger Einschätzung [IPPNW, Gesundheitliche Folgen Fukushima (2013)] muss festgestellt werden, dass die Reaktorhavarien viel verheerender sind als die Tsunamikatastrophe war. Die Situation verschlechtert sich laufend. Es zeichnet sich ab, dass die Folgen Fukushimas diejenigen Tschernobyls übertreffen werden. Zur Erinnerung: der Reaktorhavarie in Tschernobyl fielen bislang rund eine Million Menschen zum Opfer.

Die radioaktive Belastung im und über dem Pazifik ist erheblich und langfristig ungesund. Deshalb rate ich von Reisen im pazifischen Raum ab. Ferner verzichte ich auf Lebensmittel, die in dieser Region produziert wurden. Solange Lebensmittel und Umwelt nicht systematisch, häufig und öffentlich einsehbar auf radioaktive Belastung geprüft werden, ist mir das Risiko einer internen Kontamination zu hoch.

Posted by Marcel Leutenegger at 13:29
Fukushima: Wie nukleare Havarien ein Land zerstören.

Am 11. März 2011 nahm die nukleare Katastrophe in Fukushima Daichii ihren Anfang. Ein Erdbeben der Magnitude 9.0 vor der japanischen Ostküste richtete enorme Schäden an. Viele Stromleitungen wurden beschädigt und Kraftwerke abgeschaltet. In weiten Teilen Japans fiel binnen Sekunden der Strom aus. Entlang der Nordostküste mussten 14 Kernkraftwerke mit Notstromgeneratoren versorgt werden. Von insgesamt 37 Dieselgeneratoren liefen ganze 13 ordnungsgemäss. Im ältesten Reaktor im Kernkraftwerk Fukushima Daichii wurde die Anlage so stark beschädigt, dass die Kühlung des Reaktorkerns nach dem automatischen Abschalten ausfiel. Der Bedienmannschaft wurde schnell klar, dass sie Reaktor 1 verlieren. Währenddessen lief eine gewaltige Welle auf die Küste zu und verursachte 20-30 Minuten nach dem Beben einen verheerenden Tsunami. Der Tsunami machte über weite Küstengebiete alles dem Erdboden gleich, was nicht 10-20 Meter über dem Meeresspiegel lag. Er riss hunderttausende Tonnen Material mit sich - Häuser, Fabriken, Schiffe, Autos, Konsumgüter, Abfälle und Rohstoffe. In Fukushima Daichii überflutete er die Notstromdiesel und zerstörte die Kühlwasserpumpen der Reaktoren 1 bis 4. Zum Glück blieb die Kühlung des zentralen Lagers für Brennelemente und der neusten Reaktoren 5 und 6 intakt, weil diese Anlagen weiter vom Meer entfern gebaut und vor Tsunamis besser geschützt wurden.

In den Folge überhitzten die Reaktorkerne 1 bis 3 und gerieten völlig ausser Kontrolle. Der Reaktor 4 war wegen Wartungsarbeiten abgeschaltet und nicht unmittelbar betroffen. In mehreren Lagerbecken verdampfte aber viel Wasser, so dass alte Brennelemente zeitweise frei lagen und sich ebenfalls überhitzten. Es kommt zu Knallgasexplosionen, welche die Gebäudehüllen der Reaktoren 1 und 4 zerstörten. Eine weitere Explosion beschädigte den Sicherheitsbehälter des Reaktors 2. Wenig später schleuderte im Lagerbecken des Reaktors 3 eine nukleare Detonation Tonnen von Brennelementen kilometerweit in die Atmosphäre (siehe letzten Abschnitt). Die Detonation zerstörte die Gebäudehülle 3 vollständig und beschädigte das Fundament stark. Die Reaktorkerne 1 bis 3 schmolzen derweil unaufhaltsam. Sie brannten sich durch die Reaktordruckbehälter und zumindest teilweise durch die Sicherheitsbehälter. Aufgrund der massiven Zerstörung und der enormen Strahlenbelastung ist bis heute unklar, wo die Kernschmelzen liegen und in welchem Zustand sie sich befinden. Bestenfalls liegen sie noch innerhalb der Reaktorgebäude auf oder im Betonfundament. Im schlechtesten Fall drangen sie bis ins Grundwasser durch. Das wäre dann das im gleichnamigen Film befürchtete Chinasyndrom.

Die Kernschmelzen, die Knallgasexplosionen und insbesondere die Detonation im Gebäude 3 setzten enorme Mengen an Radioaktivität frei. Der Wind verteilte die meisten Giftstoffe über den Pazifik, so dass Japan trotz der nuklearen Katastrophe bisher mit zwei blauen Augen davonkam. Hoch radioaktive Partikel verdampfter Brennelemente verwehten bis in die USA und weiter nach Europa, wo sie nach etwa einer Woche eintrafen. Die Meeresströmung im Pazifik trägt japanisches Küstenwasser in etwa drei Jahren an die Westküste der USA. Es wird also demnächst radioaktiv verseuchtes Wasser in den USA anlanden. Die seit dem 11. März 2011 anhaltende radioaktive Verseuchung könnte dem schon mit Müll strapazierten Okosystem im Pazifik den Todesstoss versetzen (Segler berichteten von endlosen Müllteppichen und lebloser Stille).

Schiefe Reaktoren von Fukushima | Leider ist das erst der Anfang einer nicht abreissenden Serie schlechter Nachrichten. Während Tschernobyl ein Ende mit Schrecken war, wächst sich Fukushima zu einem Schrecken ohne Ende aus. Die Betreiberfirma Tepco benötigte Monate, um die Reaktorruinen soweit unter Kontrolle zu kriegen, dass überhaupt erst an weitere Arbeiten zu denken war. Der Bau eines Absperrwalls zur Verhinderung einer kontinuierlichen Verseuchung des Pazifiks durch belastetes Grundwasser erweist sich als gefährlicher Fehlschlag. Tepco unterliess es bisher, den Zufluss des Grundwassers zu unterbrechen, weil eine bergseitige Trockenlegung zu teuer sei. Das gestaute Grundwasser schwemmt deshalb den ohnehin destabilisierten Untergrund auf. Die Reaktorgebäude stehen nun auf völlig durchnässtem Grund und sinken immer schneller ein.

Ein weiteres starkes Erdbeben oder ein Absacken des Untergrunds könnte eine Reaktorruine so zerstören, dass die radioaktive Strahlung um den Trümmerhaufen jegliche Arbeit auf dem ganzen Gelände verunmöglicht. Ein mahnendes Beispiel ist die stark strahlende Reaktorruine 3, in deren Nähe keine Arbeiten ausgeführt werden können. Das zur Kühlung der Reaktorruinen verwendete Wasser und zufliessendes Grundwasser wird radioaktiv verseucht, so dass Tepco es in hunderten Wassertanks zu lagern versucht. Jede Woche kommen zwei bis drei Wassertanks mit 1'000 Qubikmeter Inhalt hinzu. Der schnelle Bau der Tanks mindert leider deren Qualität und lässt sie binnen weniger Jahre undicht werden. Kommt es zu einer grösseren Leckage, so fliesst das hochradioaktive Wasser quer über das Reaktorgelände.

Fällt der Zugang zur Anlage wegen eines Einsturzes eines Reaktors oder wegen einer radioaktiven Überschwemmung aus, müssten insgesamt 14'337 Brennelemente sich selbst überlassen werden. Davon wären nur 408 Brennelemente in 9 Castoren sicher eingelagert. In Fukushima Daichi befinden sich weitere 2'200 Tonnen hoch radioaktiver Brennstoff, der aktiv gekühlt werden muss. Dieses unhaltbare Risiko muss endlich entschärft werden! Folgendes ist zu tun:

Atommüll bergen!

Die Brennelemente in den Lagerbecken 1 bis 4 müssen soweit als möglich geborgen werden. Um das Risiko weiter zu mindern, sollten zügig 250 Castoren beschafft und abgekühlte Brennelemente in Trockenlagerung gebracht werden. Angesichts der unsicheren Zukunft der Anlage sollten diese Castoren sofort in ein sicheres Zwischenlager weggebracht werden. Jedes so geborgene Brennelement reduziert die Menge an freisetzbarem Kernbrennstoff, sollte die Anlage unzugänglich werden.

Immerhin schaffte Tepco es, das Lagerbecken 4 zu stabilisieren und einen Ersatzkran zur Umlagerung der Brennelemente zu bauen. Seit Dezember 2013 werden Brennelemente ins zentrale Lager gebracht. Die Umlagerung wird noch das ganze Jahr andauern. Unklar ist zur Zeit, ob alle 1331 Brennelemente geborgen werden können.

Es sollte auch versucht werden, die 292 Brennelemente aus Lagerbecken 1 sowie die 587 Brennelemente aus Lagerbecken 2 zu bergen. Leider ist die radioaktive Strahlung im Arbeitsbereich sehr hoch. In den Reaktorgebäuden steht stark strahlendes Kühlwasser. Zudem ist der Arbeitsbereich auf Reaktor 2 nahe Reaktor 3, der nicht betreten werden kann.

Um das Risiko einer radioaktiven Überschwemmung zu reduzieren, könnten mehrere Supertanker zur Aufnahme des radioaktiven Kühlwassers umgebaut werden. Dadurch könnte das verseuchte Kühlwasser mehrheitlich auf den Schiffen gelagert und gereinigt werden.

Reaktorruinen sichern!

Die Reaktorruinen können nicht in den nächsten 20 Jahren abgebaut werden. Die Strahlung der Kernschmelzen macht es ratsam, diese Arbeiten ins nächste Jahrhundert zu verschieben. Eine Wasserkühlung kann aber auf Dauer nicht betrieben werden. Es wäre einfach verantwortungslos, die Reaktorruinen länger als notwendig im aktuellen Zustand zu belassen. Somit stellen sich bald zwei unbequeme Fragen:

Wie kann die Wasserkühlung abgeschaltet werden, ohne dass erneut grosse Mengen an Radioaktivität freigesetzt werden?

Die Reaktorruinen einzusargen wird mehrere Jahre dauern. Während des Baus muss die Strahlung aber soweit gesenkt werden, dass die Bauarbeiten ohne zig-tausende Strahlentote ausgeführt werden können. Mit Stahl- und Bleikörner gemischter Sand könnte als Abschirmung herhalten.

Wie kann der Zutritt an Grundwasser und die andauernde Verseuchung des Pazifiks gestoppt werden?

Solange Grundwasser unter den Reaktorruinen durchfliesst, kommt es in Kontakt mit den Kernschmelzen und trägt die radioaktive Fracht ins Meer. Das ist ein gravierendes Problem, dessen dauerhafte Lösung wahrscheinlich warten muss, bis die Ruinen oberirdisch gesichert sind.

Tepco beabsichtigt den Untergrund zu vereisen, indem Kühlrohre im Boden versenkt werden, durch die anschliessend ein Kältemittel gepumpt werden soll. Das Verfahren ist aufwendig und auf Dauer sehr teuer. Tepco will die Eisbarriere zunächst rund um Reaktor 2 testen, wo die grössten Probleme vermutet werden.

Fazit | Die Havarien der Kernkraftwerke Fukushima Daichii 1 bis 4 kommen Japan sehr teuer zu stehen. Ich gehe davon aus, dass der Gesamtschaden jenseits von 1000 Milliarden Euro zu liegen kommt. Zu bezahlen von der evakuierten Bevölkerung (Verlust von Eigentum, Grund und Boden), Bürgern (Steuern), Konzernen (wirtschaftliche Einbussen) und allen Personen weltweit, die aufgrund von in Fukushima freigesetzter Radioaktivität erkranken. Einen solchen Schaden kann auch ein hoch entwickeltes Industrieland wie Japan schwerlich verkraften. Es droht der Staatsbankrott und die japanische Bevölkerung riskiert, an den Folgen der Giftfracht aus Fukushima zu erkranken und vorzeitig zu sterben. In anderen Worten:

Japan steht am Abgrund. Zwischenergebnis bekannt in 100 Jahren.

Empfehlenswerte Links (englisch)


Detonation in Reaktor 3 | Wie es zu dieser Detonation kam, ist mir nach wie vor ein Rätsel. Dass es eine nukleare Detonation war, nämlich eine moderierte prompte Kritikalität, scheint mir angesichts der Aufnahmen und der Schäden plausibel.

  • Ein LKW-grosses Teil flog hunderte Meter hoch in die Luft und durchschlug bei der Landung das Dach der Turbinenhalle.
  • Man beachte den Ursprung der Detonation sowie die dunkle und kurzzeitig kugelrunde Trümmerwolke. Fein pulverisiertes und verbranntes Metall sieht schwarz aus. Eine Detonation alter Brennelemente würde eine solche kugelförmige Wolke verursachen.
  • Ferner weisen gemessene Urankonzentrationen in der Luft in Honolulu, Kauai und Guam nach, dass sich in Fukushima dutzende Tonnen Kernbrennstoff verflüchtigten. Dies sind alles klare Indizien für eine nukleare Detonation.

Ich kann Tepcos Erklärung nicht nachvollziehen, dass eine Knallgasdetonation zu einem derartigen Ergebnis führt. Merkwürdig sind einige Filmaufnahmen, welche Tepco später von Brennelementen im Lagerbecken 3 gemacht haben will.

  • Eine Knallgasdetonation unter dem Becken, wie von Tepco behauptet, hätte das Becken von unten nach oben durchschlagen müssen, um das Gebäudedach darüber zu pulverisieren. Auf späteren Luftaufnahmen meine ich jedoch Wasser im Lagerbecken zu erkennen. Folglich blieb der Beckenboden intakt. Warum ist dann aber das Dach darüber komplett zerstört?
  • Weder bei einer Detonation unter noch im Becken wäre zu erwarten, dass Brennelemente säuberlich in ihren Halterungen verbleiben. Tepcos frühe Filmaufnahmen von oben zeigen einen sehr hohen Grad an Zerstörung im Becken. Tepcos spätere Filmaufnahmen von der Seite (tiefer im Becken) zeigen jedoch vergleichsweise intakte Halterungen und Brennelemente.

Insgesamt eine unbefriedigende Informationslage, auch weil sich Tepco in der Vergangenheit als wenig vertrauenswürdig erwies.

Posted by Marcel Leutenegger at 17:14