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Liebe deinen Fuss wie dich selbst!

Dieses Wochenende traff ich mich anlässlich eines gemeinsahmen Kinobesuchs mit ein paar Kolleginnen aus meinem Heimatdorf Oensingen. Der Film war mittelmässig, aber durchaus amüsant, vorallem aufgrund der Tatsache, dass der stählerne, verschwitzte Körper des Hauptdarstellers Brad Pitt meine Begleiterinnen in regelmässigen Abständen hörbar frohlocken liess.

Anschliessend an den Kinobesuch vertrieben wir uns die Zeit in einer Spelunke bei einem kräftigen Eistee. (Mitteilung an alle mittelschwer alkoholsüchtigen Studenten eidgenössisch technischer Hochschulen: Es kann so erfrischend sein, festzustellen, dass der Zucker im bestellten Getränk schmeckt, auch ohne vorher einen Gährungsprozess durchlaufen zu haben.) Und weil unsereins gern mit Leuten diskutiert, die gerade eine erotische Grenzerfahrung mit Zelluloid hatten, wagte sich dabei das eine oder andere durchaus interessante Gesprächsthema ans fahle Licht.

Schockiert und etwas irritiert hat mich allerdings folgende Aussage:
"I finge Füess gruusig!"
Für des Solothurnischen Dialekts nicht mächtige Menschen: "Ich finde Füsse eklig!".

Meine Güte!
Auch wenn ich mich persönlich weder zu den Damenstrupf-Fetischisten noch zu der Liga der Fusspilz-Freunde zähle, so erschrak ich doch ob der drastisch pauschalisierenden Antipathie im Zentrum dieser Aussage. Kann man denn einfach so gewisse Körperteile generell als abstossend empfinden? Ein grundsätzlicher Ekel bezüglich eines so fundamentalen Teils seiner selbst und des Menschlichen Gesamtbildes; führt das nicht zur Autodissoziation!

Auch wenn ich nachvollziehen kann, dass Leute ihre Leibhaftigkeit in der gegebenen Form bemängeln - diese Volkskrankheit betrifft mich zugegebenermassen selber - so kann ich diese Generalisierung nicht verstehen. Die Ursache, Mängel am eigenen Körper zu finden, sehe ich viel eher in der Suche nach dem Perfektionismus. Nach einer Idealform, die als Idee Teil meines ästhetischen Empfindens ist, und die einen ästhetisch perfekten Körper, wie ihn Dichter und Maler seit jeher zu beschreiben suchen, impliziert. Einen Körper, der konzeptuell keine grundsätzliche Widerlichkeit zulässt. Es ist die Idee des Perfekten, die allem in seiner Reinform anhaftet, die auch dem Fuss eine Ästhetik zuschreibt und die ihm damit seine ganz eigene Perfektion als dichterisches, malerisches - und meinetwegen auch als erotisches Objekt gewährt.

Erst der innige, zutiefst bewundernde Blick des Gereizten gibt dem Reizenden seinen Reiz.

Ein Hoch auf den Impressionismus. Wenn man sich schon ein Ohr abschneidet, dann doch bitte, weil man nicht vermag, es in seiner Perfektheit abzubilden, und nicht, weil man's "gruusig" findet!
Posted by Sandro Stucki on Tuesday 25 May 2004 at 13:41
Comments
aso wi gseit, pfote si scho härziger aus füess
Posted by Lukas Rytz on Tuesday 25 May 2004 at 21:54